Manuka Honig

Manuka-Honig ist eine besondere Form des Honigs, der häufig mit Neuseeland in Verbindung gebracht wird. Die verwerteten Bestandteile des Baums Manuka enthalten besonders viel Methylglyoxal, der heute auch oft als MGo abgekürzt wird. Doch verfügen die Inhaltsstoffe des Honigs tatsächlich über so positive Effekte für unsere Gesundheit wie immer behauptet wird? Dieser Artikel soll sich dem Honig aus Neuseeland auf Basis wissenschaftlicher Studien etwas genauer widmen.

Artikel durch 34 anerkannte Studien verifiziert

Manuka Honig - Wirkung, Dosierung und Anwendung

Seit Jahrtausenden gilt Honig in vielen Kulturen der Welt als wirksames Naturheilmittel – das trifft auch auf den exotischen Manukahonig zu. Die Maori, die Ureinwohner in Neuseeland, nutzten ihn seit jeher sowohl zur äußerlichen Desinfektion von Wunden, als auch in der Therapie von Infektionskrankheiten, Erkältungen und Blasenentzündungen. Die moderne Wissenschaft konnte ihrerseits feststellen, dass Manuka sich gegenüber anderen Honigsorten durch einzigartige Inhaltsstoffe abhebt. Sie verleihen dem Honig messbares antibakterielles Potenzial, das in Zukunft womöglich eine entscheidende Rolle im Kampf gegen multiresistente Keime spielen könnte.

Was ist Manuka-Honig?

Manuka Honig wird durch Bienen aus dem Nektar der Südseemyrte (Leptospermum scoparium) produziert. Der Baum, der in der Sprache der Maori Manuka genannt wird, wächst sowohl in den bergigen Regionen in Neuseeland als auch im Südosten von Australien.

Einzigartig in der Zusammensetzung von Manuka-Honig ist der Gehalt des Zuckerabbauproduktes Methylglyoxal. Die Substanz stammt nicht direkt aus dem Nektar des Manukabaumes, sondern bildet sich erst in der Honigwabe durch die Dehydratation von Dihydroxyaceton. (1) Zwar enthalten auch andere Honigsorten kleine Mengen von Methylglyoxal, jedoch übertrifft der Anteil des Honigs mit der Bezeichnung Manuka mit 800 bis 1200 mg/kg sie etwa um das 20- bis 30-fache. (2)

Da Methylglyoxal maßgeblich zum antibakteriellen Effekt von Manukahonig beiträgt, sprechen Fachleute in seinem Fall von einer nicht-peroxidischen Wirkweise. Die keimhemmende Wirkung der meisten anderen Honigsorten beruht dagegen auf der Tatsache, dass das Enzym Glucose-Oxidase im Honig Wasserstoffperoxid produziert. In Manukahonig unterbricht wiederum die Anwesenheit von Methylglyoxal die beschriebene Enzymaktivität. (3) Daher enthält er im Gegensatz zu vielen anderen Honigsorten neben seiner hohen Konzentration an Methylglyoxal nur niedrige Mengen Wasserstoffperoxid.

Die Bakterien bekämpfenden Eigenschaften von Manukahonig basieren jedoch nicht ausschließlich auf Methylglyoxal bzw. verstärkt der Honig die Wirkung der Substanz vermutlich durch synergische Prozesse. Im Laborversuch erwies sich eine Manuka-Honig-Lösung um 50 Prozent wirksamer gegen das Bakterium Staphylococcus aureus als dieselbe Dosis Methylglyoxal außerhalb des Honigs in einer Wasserlösung. (4)

Wozu braucht der Mensch Manuka-Honig?

Studien dokumentierten bislang, dass die Inhaltsstoffe von Manuka Honig bei der Anwenung:

  • die Zellteilung von Bakterien behindern (11)
  • schützende bakterielle Biofilme zerstören (19)
  • die Adhäsionskräfte, also die Fähigkeit von Bakterien, an Geweben anzuhaften, verringern (19)
  • durch das Hemmen von schützenden Proteinen die Stressresistenz in Bakterien herabsetzen (5)
  • die Außenmembran von Bakterien durchdringen und mit ihrer DNA reagieren (15)
  • die Gene blockieren, welche in Bakterien die Ausbildung der Flagelle (Fortbewegungsorgan) verursachen. Auf diese Weise schränken Manukahonig-Inhaltsstoffe die Mobilität von Mikroorganismen ein. (6)

Qualitätsstufen von Manukahonig – was sind MGO und UMF?

Durch das Halten von Bienenvölkern nahe einer Mischvegetation entstehen in der Praxis Honigsorten mit stark variierendem Gehalt von Methylglyoxal. Der Nektar des dem Manuka-Baum unmittelbar verwandten Kanuka-Baums aus Neuseeland bildet im Bienenstock zum Beispiel kein Methylglyoxal aus – beide Pflanzen wachsen jedoch häufig in unmittelbarer Nachbarschaft und ihre Pollen sind äußerlich kaum voneinander differenzierbar.

Zur Qualitätssicherung vergibt der Verband Active Manuka Honey Association Inc. (AMHA) daher ein Label, welches die keimhemmenden Eigenschaften als „Unique Manuka Factor“ (UMF) der entsprechenden Produkte auszeichnet. Die antibakterielle Wirkung der Honigchargen wird hierfür simpel durch Auftropfen auf eine Petrischale mit Bakterienkulturen bestimmt. Die Größe des entstandenen Hemmhofes, des Bereiches ohne sichtbare Kultur, ergibt anschließend die Einordnung in UMF 5+ bis UMF 25+. Nachdem Forscher das Methylglyoxal als wirksamen Inhaltsstoff in Manuka-Honig identifizierten, gingen die Hersteller dazu über, ihre Produkte durch das Kürzel MGO (für Methylglyoxal) gefolgt von einer Zahl, die den Anteil des Stoffes im Honig in mg/kg angibt, zu kennzeichnen.

Hohe Werte an MGO bedeuten an dieser Stelle nicht zweifelsfrei hohe Qualitätsstufen, sondern können auch auch durch nachträglich zugesetztes MGO ergeben, das Produzenten preiswert als Laborchemikalie erwerben können. Dennoch sollten Verbraucher, die Produkte von hoher Qualität erwerben möchten, die Labels UMF und MGO beim Manuka Honig stets berücksichtigen.

Welche Dosis des Manuka Honigs mit MGO wird empfohlen?

In einer klein angelegten randomisierten Cross-Over-Studie erwies sich der Konsum von 20 Gramm Manuka-Honig UMF 20+ (das entspricht > 829 mg Methylglyoxal pro kg) als sicher. Die Untersuchung dokumentierte weder allergische Reaktionen noch eine Akkumulation von MGO im Körper der Probanden. (7)

Den Konsum im Rahmen des normalen Speiseplanes bewerten Fachleute daher selbst im Falle von Manukahonigsorten mit ausgesprochen hohem Methylglyoxalgelhalt als unbedenklich.

Wirkung von Manuka-Honig

Die meisten Studien zu Manukahonig fanden als In-vitro-Versuche statt, die zunächst nur Hinweise auf die Auswirkungen seiner äußerlichen Anwendung geben und keine Rückschlüsse auf seine möglichen Positiveffekte als Nahrungsmittel erlauben. In der Wundbehandlung mit Honig nutzen Wissenschaftler zudem keine Lebensmittel, sondern durch Gammastrahlen sterilisierten „medizinischen“ Honig, der die Gefahr einer Infektion durch die Behandlung minimiert.

Antibakterielles Potenzial von Manuka-Honig

Diverse In-vitro-Experimente zeigen auf, dass die keimhemmenden Eigenschaften von Manukahonig auf unterschiedliche Inhaltsstoffe und Wirkweisen zurückgehen:

  1. MGO hemmt multiresistente Keime, planktonische Bakterien und Biofilme
    Am Beispiel von methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (MRSA) und Pseudomonas aeruginosa (PA) zeigte sich eine Methylglyoxal-Lösung wirksam sowohl bei frei schwimmenden (planktonischen) Mikroorganismen, als auch wenn diese sich zu einem schützendn Biofilm formiert hatten. Die benötigten Konzentrationen von 0,08-0,3 mg/ml (MRSA) und 0,15 bis 1,2 mg/ml (PA) bei frei schwimmenden Organismen erhöhten sich bei Bakterien im Biofilm etwa auf das 5 bis 10-fache. (8)
  2. Manukahonig ist in vitro, jedoch nicht in vivo wirksam gegen H. pylori
    In-vitro-Versuche mit Manukahonig und Helicobacter pylori lieferten zunächst vielversprechende Ergebnisse, da der Keim zwar sensitiv auf Manukahonig reagierte, von anderen Honigsorten jedoch unbeeinflusst blieb. (9) Eine Therapie mit 4 EL Manukahonig täglich über den Zeitraum von 2 Wochen brachte Helicobacter-Patienten jedoch keine signifikanten Erfolge. Hier raten die Wissenschaftler zu einer konventionellen Antibiotika-Behandlung. (10)
  3. Antibakterielles Potenzial von Manukahonig übertrifft reines Methylglyoxal
    Im Vergleich von Manukahonig und künstlichem Honig, dem MGO zugegeben wurde, stellten Forscher signifikante Wirkungsunterschiede fest: Manukahonig scheint die Zellteilungsrate von Bakterien (hier: MRSA) zu unterbrechen, während ein mit Methylglyoxal versetzter Kunsthonig dieses Phänomen nicht hervorrufen konnte. Dies indiziert die Anwesenheit von weiteren antibakteriellen Wirkstoffen im Manukahonig, unter anderem Polyphenole und Flavonoide. (11) Im Polyphenolgehalt übertrifft Manukahonig messbar viele andere Honigsorten; beispielsweise enthält er mit 899mg/kg die 8-fache Konzentration von Gallussäure gegenüber Lavendelhonig. (12)
  4. Zwischen Antibiotika und Manuka Honig entstehen synergistische Effekte
    In der Bekämpfung von Staphylococcus aureus demonstrierte das Antibiotikum Rifampicin gemeinsam mit Manukahonig eine höhere Wirksamkeit als in der Einzelanwendung. Dass hierbei nicht ausschließlich der Zusatz von Methylglyoxal die Wirksamkeit bedingt, belegten Versuche, in denen die Kombination von Rifampicin mit einer reinen Methylglyoxal-Lösung keine Wirkungssteigerung erbrachte. (13) Was Antibiotikaresistenzen anbelangt, weisen Studienergebnisse darauf hin, dass Manukahonig die Widerstandskräfte von Bakterien gegenüber einzelnen Wirkstoffen aufheben kann, indem er bei ihnen die Bildung schützender Proteine eindämmt. Die Mikroorganismen erlangen infolgedessen wieder eine Empfindlichkeit gegen die ehemals unwirksamen Medikamente. (14)
  5. Bienen-Defensine in Manukahonig bekämpfen wirksam antibiotikaresistente Keime
    Wissenschaftler beobachteten die Auswirkungen einer Honiglösung auf antibiotikaresistente Mikroorganismen; darunter methicillin-resistenter Stapholycoccus aureus und ciprofloxazin-resistenter Pseudomonas aeruginosa. Selbst nachdem die mutmaßlichen Hauptwirkstoffe Methylglyoxal (Manukahonig) und Wasserstoffperoxid (andere Honigsorten) enzymatisch neutralisiert wurden, tötete die Honiglösung eine signifikante Anzahl der Mikroorganismen ab. Als Wirkstoff identifizierten die Forscher Bienen-Defensin-1; ein Peptid, das die Außenmenbran der Bakterien durchdringt und anschließend mit DNA oder RNA reagiert. (15) Aufgrund dieser Fähigkeiten werden Honig-Inhaltsstoffe in der Fachwelt als vielversprechende Zukunftsstrategie im Kampf gegen multiresistente Keime betrachtet. (16)
  6. Gefahr einer Resistenz gegen Manukahonig
    Im Versuch setzten Wissenschaftler unter anderem Stämme von Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa nicht-tödlichen Dosen von Manukahonig aus, um eine Resistenzentwicklung zu beobachten. Zwar erhöhte sich zeitweise die Widerstandsfähigkeit der Mikroorganismen, jedoch entwickelten sich keine manukaresistenten Mutationen. (17) In anderen Experimenten bildeten mit geringen Manuka-Dosen konfrontierte Bakterien durchaus eine zunehmende Resistenz sowohl gegen Manuka, als auch gleichzeitig gegen einige Antibiotika aus. (18)
  7. Manukahonig zerstört Biofilme und verhindert das Anhaften von Bakterien
    In der Behandlung chronischer Wunden beweist Manukahonig bedeutende Fähigkeiten: Im Versuch konnte er die Entstehung von bakteriellen Biofilmen unterbrechen und die Mikroorganismen zum großen Teil abtöten. Des Weiteren verhindert Manukahonig, dass Bakterien an menschlichem Fibrinogen, Fibronectin und Kollagen anhaften können. Getestet wurden drei häufig vorkommende Wund-Pathogene: Streptococcus pyogenes, Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa. (19)
  8. Antibakterielles Potenzial nicht auf Manuka-Honig beschränkt
    Afrikanische Wissenschaftler untersuchten das antibakterielle Potenzial von mehreren Honigsorten, dass, wenn es sich nicht um Manuka-Honig handelt, nicht auf der Wirkung von Methylglyoxal beruht. (20) Dennoch tragen die osmotische Wirkung, das saure Milieu, der Gehalt an Wasserstoffperoxyd und phythochemische Faktoren auch bei anderen Honigsorten zu einem hemmenden Effekt auf Mikroorganismen bei. Nachgewiesen wurde diese zum Beispiel bei Salmonellen, Shigellen und Escheria coli. Die Forscher geben zu Bedenken, dass nicht jeder Honig dieselbe Wirkung auf beliebige Bakterienspezies ausübt und die vorhandenen Bakterien auf Wunden daher im Vorfeld einer Honigbehandlung indentifiziert werden sollten.
  9. Manukahonig übt keine Wirkung auf die Mikroorganismen der Darmflora aus
    Bei einer klein angelegten Doppelblindstudie, die die Veträglichkeit von Manuka Honig untersuchte, stellten die Forscher keine Positiveffekte auf die Zusammensetzung der Darmflora der Probanden fest. Nichtsdestotrotz erwiesen sich 20g Manukahonig pro Tag über den Zeitraum von 4 Wochen für die Probanden als verträglich. (7)

Wie wirkt Manuka Honig bei Nasennebenhöhlenentzündung?

Entzündungen und bakterielle Besiedelungen der Nasenschleimhäute bieten sich als äußerliche Wirkungsfelder bei der Anwendung von Manuka Honig an.

  1. Manukahonig reduziert die Beschwerden bei Rhinosinusitis
    Die Wirksamkeit von Manukahonig auf eine chronische allergische Nasennebenhöhlenentzündung und Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinosinusitis) untersuchten Wissenschaftler in einer Studie, in der sie 34 Patienten eine Nasenspüllösung aus Honig und Kochsalzlösung (1:1) verabreichten. In der Gruppe ergaben sich im Durchschnitt nur leichte, nicht signifikante Verbesserungen der Symptomatik, obgleich 9 der Teilnehmer ausgesprochen gut auf die Behandlung ansprachen. Bei ihnen stellten die Mediziner erhöhte Werte von IgE-Antikörpern fest. (21) In einer weiteren Untersuchung ergab sich bei Patienten mit chronischer Rhinosinusitis sowohl nach der Nasenspülung mit Kochsalzlösung als auch mit Manukahonig-Lösung eine Verbesserung der Beschwerden. Was die Reduktion der Bakterien anging, schnitt die Honiglösung etwas besser ab als die Salzlösung. (22)
  2. MGO reduziert S. aureus auf der Nasenschleimhaut ohne Nebenwirkungen
    Im Tierexperiment an Schafen ergab die Applikation von Methylglyoxal-Lösung bzw. Manukahonig, der mit MGO angereichert wurde, in der Nasenhöhle folgende Ergebnisse: Methylglyoxal-Konzentrationen von 0,9mg/ml und 1,8mg/ml reduzierten signifikant den Biofilm von Staphylococcus aureus und wirkten sich dabei nicht negativ auf die Nasenschleimhaut aus. Höhere Konzentrationen verursachten einen Verlust der Flimmerhärchen und Zellveränderungen in der Schleimhaut (Plattenepithelmetaplasie). (23)

Manuka-Honig in der Mundhygiene

Durch seine antibakterielle Wirkung bietet sich der Einsatz von Manukahonig auch im Bereich der Mundhygiene an.

  1. Manuka-Honig übertrifft Xylit in der Reduktion von Plaque
    Im Vergleich mit Chlorhexidin, einem Antiseptikum aus der Zahnmedizin, und xylithaltigem Kaugummi bewies Manukahonig eine ebenso große Fähigkeit, Plaque zu reduzieren wie die 0,2-prozentige Chlorhexidinlösung und zeigte sich gegenüber dem Kaugummi überlegen. (24)
  2. Antibakterielles Potenzial steigt mit dem Methylglyoxalgehalt
    Im Vergleich der bakteriziden Eigenschaften verschiedener Honigsorten gegen die im Mundraum häufig vorkommenden Bakterienspezies S. mutans, P. gingivalis and A. actinomycetemcomitans demonstrierte Manukahonig mit dem UMF 15+ eine signifikante antibakterielle Wirkung gegen die beiden letzten Spezies. Manukahonig mit Methylglyoxalgehalt unterhalb von UMF 15+ hingegen lag im Vergleich des antibakteriellen Potenzials hinter allen anderen Honigsorten im Test, u.a. hinter Schweizer Blütenhonig ohne nachweisbares Methylglyoxal. (25)

    Manukahonig mit einem UMF 19,5 konnte in einer Studie an Kindern im Zusammenhang mit der täglichen Zahnreinigungsroutine (2-mal tägliches Zähneputzen) nach 10 bzw. 21 Tagen das Vorkommen von Streptococcus mutans im Speichel signifikant reduzieren. (26)

Manuka-Honig und Wundheilung

Die Datenlage zu Manukahonig in der Wundheilung ist zum heutigen Zeitpunkt wenig umfangreich und gemischt in ihren Aussagen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahre 2015, die Studienergebnisse aus den Jahren 1978 bis 2014 evaluierte, inkludierte zwar Untersuchungen mit Manukahonig, befasste sich jedoch mit sämtlichen Honigsorten als Wundbehandlungsmittel. (27) Insgesamt 26 Studien mit 3011 Teilnehmern ergaben, dass vor allem Verbrennungen zweiten Grades etwa 4 bis 5 Tage schneller heilen, wenn Mediziner sie mit Honig anstatt mit anderen Wundauflagen behandeln. Über eine eventuelle erhöhte Nebenwirkungsrate oder Infektionsgefahr gaben die vorliegenden Daten keine Anhaltspunkte. Gegenüber der Brandwundenbehandlung mit Silbersulfadiazin bewies Honig in den meisten analysierten Studien dagegen keine Überlegenheit; allerdings traten bei der Honigbehandlung im Durchschnitt weniger unerwünschte Nebenwirkungen wie Entzündungen auf.

In der Behandlung gemischter chronischer und akuter Wunden erwies sich die Honigbehandlung als etwas vorteilhafter im Vergleich zu antiseptischen Spülungen und Gazeauflagen. Druckgeschwüre heilten unter Honiganwendungen schneller als durch das Einweichen in Kochsalzlösung. Unklar bleibt der Effekt von Honig auf Venengeschwüre, diabetische Fußgeschwüre und gemischte chronische Wunden. Die Wissenschafter weisen zudem darauf hin, dass viele der Untersuchungen von geringer Qualität und Beweiskraft sind und es für die fundierte Beurteilung von Honig in der Wundbehandlung einer größeren Datenmenge bedarf.

  1. Manuka-Honig in der Behandlung diabetischer Fußgeschwüre
    Während Studien einerseits nachweisen, dass diabetische Fußgeschwüre unter der Behandlung mit Manukahonig wesentlich schneller heilen als unter einem gängigen Wundmanagement (31 Tage Heilungszeit gegenüber 43 Tagen Heilungszeit) (28), warnen Mediziner andererseits vor möglichen Komplikationen: Der erhöhte Spiegel von Methylglyoxal im Körper von Diabetikern trägt zur gestörten Wundheilung der Patienten bei. Zusätzliches MGO aus Manukahonig könnte diese Symptome noch verstärken. (29) Darüber hinaus machen Mediziner auf eine häufige Nebenwirkung der Manuka-Behandlung aufmerksam: Methylglyoxal bindet auf der Nervenmenbran an den Natrium-Kanal NaV1.8, der für die Schmerzweiterleitung zuständig ist. (30) In der Folge kommt es zu einer schmerzhaften Übererregung der Nervenzellen. Da dieses Phänomen insbesondere bei Diabetikern aufgrund der Polyneutopathien (Nervenerkrankungen) im Fußbereich in den Hintergrund rückt, empfehlen auch deutsche Mediziner, die Heilwirkung von Manukahonig im Falle diabetischer Fußgeschwüre zu nutzen. (31)

Mögliche systemische Wirkung von Manukahonig

Sämtliche klinische Studien, die Manukahonig betreffen, beziehen sich auf seine Applikation im Bereich der Nasen- und Mundschleimhäute beziehungsweise auf seine Effekte in der Wundbehandlung. In Tierversuchen erforschen Wissenschaftler, ob der Honig eventuell eine systemische Wirkung entfalten könnte. Bislang liegen nur die Ergebnisse von Einzelversuchen vor:

  1. Manuka-Honig bremst Tumorwachstum

    Im Mausmodell konnte intravenös verabreichter Manukahonig das Tumorwachstum um 33 Prozent reduzieren. Durch ein Chemotherapeutikum verringerte sich die Krebsentwicklung um 61 Prozent, allerdings stieg in der Gruppe, die zusätzlich Manukahonig erhielt, die Überlebensrate der Versuchstiere dramatisch an. (32) Bei Ratten mit Brustkrebs konnte die orale Gabe sowohl von Manuka als auch von malaysischem Tualang-Honig in der Dosierung von 1g Honig pro Kilogramm Körpergewicht das Tumorwachstum um bis zu 70 Prozent eindämmen. Die Wissenschaftler stellten bei den Tieren zudem Veränderungen im Östrogenstatus, in den hämatologischen Parametern und dem Verhältnis der Apoptose (Zelltod) regulierenden Proteine fest. (33)

  2. Manukahonig lindert chronische Darmerkrankungen im Tiermodell
    Im Versuch an Ratten konnten Manukahonig-Dosen von 5g/kg und 10/kg täglich eine künstlich erzeugte entzündliche Darmerkrankung signifikant abschwächen. Ob Menschen mit Reizdarmsymtomatik, Colitis Ulcerose oder Morbus Crohn von Manuka Honig mit MGO profitieren könnten, muss in klinischen Versuchen untersucht werden. (34)

Quellenangaben

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